logo_geti
foerderung_seite

EIPagri.NRW-Projekt Gemeinschaftsleistung Tierwohl (GeTie)

EQAsce hat als Lead-Partner das EIPagri.NRW-Projekt GeTie durchgeführt. Es wurde vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes unter der Beteiligung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Ziel des Projektes war es, den schweinehaltenden landwirtschaftlichen Betrieben über eine webbasierte Cloudplattform größere Vorteile zu verschaffen, damit sich Investitionen in mehr Tierwohl besser auszahlen.

 

LAUFZEIT

Februar 2020 bis Januar 2022.

 

AUSGANGSSITUATION

Schweinehaltende Betriebe betreiben bereits unterschiedliche Programme und verschiedenen Aufwand, um ein höheres Tierwohl-Niveau zu erreichen. Entsprechende Nachweise liegen häufig nicht digital vor, sondern werden auf Papier geschrieben und in Akten gelagert. Die technischen Möglichkeiten sind so weit entwickelt, dass ein höheres Maß an Transparenz bezüglich des individuellen Aufwands in Bezug auf Tierwohl einfach herzustellen ist. Angesichts eines angespannten Marktes für den Absatz von Schweinen in Deutschland suchen Landwirte nach neuen Einkommens- bzw. Vermarktungsmöglichkeiten. Mit dem Steigern der Transparenz sollte besonders an der Stelle der Preisbildung das Investment in mehr Tierwohl derart berücksichtigt werden, dass sich der Aufwand für die Landwirte auszahlt. Damit wird ein Anreiz geschaffen, auch künftig in mehr Tierwohl zu investieren.

DAS PROJEKT UND DIE OPERATIONELLE GRUPPE

Die Operationelle Gruppe des GeTie-Projektes bestand aus der Europäischen Bildungsgenossenschaft EQAsce, die sowohl als Lead-Partner, als auch als Projektpartner vertreten war. Daneben wurde die Gruppe wissenschaftlich durch das International FoodNetCenter der Exzellenz-Universität Bonn unterstützt. Initiiert wurde die Projektidee durch die Praxis und so waren sieben schweinehaltende landwirtschaftliche Betriebe aus Nordrhein-Westfalen wesentlicher Bestandteil des Projekts. Die Firma ChainPoint stand mit ihrer Expertise im Bereich IT, Webplattformen, Kettenmanagement und Geschäftsmodelle zur Verfügung. Komplettiert wurde die Operationelle Gruppe durch zwei Organisationen, die eine Verbindung zwischen der Gruppe und weiteren Landwirten herstellten: Der Rheinische Erzeugerring für Mastschweine e.V. und der Dienstleister VERAVIS.

Gemeinsam ging es darum, die Möglichkeiten einer höheren Transparenz auszuloten, herauszufinden, wie eine höhere Transparenz hergestellt und kommuniziert werden kann und schließlich auch, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, mit dem die Projektidee realisiert werden kann. Zwei Jahre lang wurde das GeTie-Projekt gefördert und hat in seiner Laufzeit tausende Menschen – Praktiker*innen, Interessierte, Unterstützende – erreicht.

Die Gemeinschaftsleistung besteht darin, dass alle Akteure einer Wertschöpfungskette eine Verantwortung dafür tragen, dass das jeweilige Produkt am Ende den qualitativen Vorgaben entspricht. Im Hinblick auf „Tierwohl“ bedeutet das, dass alle Beteiligten ihren Beitrag zum Tierwohl leisten müssen. Nimmt es nur ein Akteur in der Kette nicht so genau, hat dies Auswirkung auf das Endprodukt und dessen Eigenschaften im Hinblick auf „Tierwohl“. Deswegen muss sich jeder an Tierwohlmaßnahmen beteiligen. Die entsprechende Abstimmung untereinander und der Austausch von Informationen sind dafür von größter Bedeutung.

 

ERGEBNISSE

  • Tierwohlmerkmale können einfach digital erfasst werden. Zum einen besteht die Möglichkeit, Daten durch bereits vorhandene digitale Systeme zu erfassen. Zum anderen können Daten händisch in Statistikprogramme (z.B. MS Excel) oder auch per Spracheingabe direkt – zum Beispiel beim Kontrollgang durch den Stall – eingegeben werden.
  • Vorhandene Daten gehören denjenigen, die sie erhoben haben. Haben demnach Landwirte in Technik investiert, sollten Sie die Hoheit über die dadurch produzierten Daten behalten. Hierdurch ergeben sich neue Vermarktungsmöglichkeiten: Produkte werden zusammen mit Datenpaketen vermarktet, die Nachweise enthalten und genaue Informationen, die dann für Zulieferer oder nachgelagerte Marktpartner interessant sind. Eine neue Form des Informationsaustauschs wird möglich, die sich für alle Beteiligten auszahlt. Hierbei werden nicht nur Produkt- und Prozess-bezogene Daten erfasst – wichtig sind auch die personenbezogenen Daten in Bezug auf Qualifizierung und Sachkunde.
  • Daten kommen hauptsächlich aus vier Prozessen. Die Produkt-, prozess- und personenbezogenen Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette (Schweine-)Fleisch werden zum einen untereinander und zum anderen durch den Gesetzgeber auferlegt und kontrolliert. Daten fallen dabei hauptsächlich aus den vier Prozessen „Qualifizierung“, „Selfassessment“, „2nd party audit“ und „3rd party audit“ an.
  • Eine webbasierte Cloudplattform wurde erstellt, die ein effizientes und einfach zu bedienendes Datenmanagement ermöglicht. Hierbei werden die Daten verwaltet, individuell freigegeben und sicher ausgetauscht. Daneben ermöglicht die Plattform die direkte Kommunikation auf Augenhöhe zwischen allen beteiligten Marktpartnern der Wertschöpfungskette. Dies erzeugt ein hohes Maß an Transparenz und fördert den Wettbewerb um ein hohes Niveau an Tierwohl und entsprechend qualitativen Produkten.
  • Die webbasierte Plattform wird als Plattform-Genossenschaft ins Leben gerufen. Die Beteiligten sind Anteilseigner, Nutzende und Managende der digitalen Einrichtung zugleich. Je mehr sich beteiligten, desto besser läuft die Plattform, desto demokratischer sind die weiteren Entwicklungsprozesse und desto vielfältiger wird das Angebot und der Austausch über die Plattform. Transparenz und direkte Kommunikation werden damit zu wesentlichen Treibern im Sinne des Tierwohls.
  • Was im Projekt erprobt worden ist, kann auf andere Bereiche ausgedehnt und erweitert werden. Statt nur die schweinehaltenden Betriebe ins Auge zu fassen, sind auch andere Tierarten aus der Landwirtschaft, wie Rind oder Geflügel über diese Plattform mit den jeweiligen Produktionsketten abbildbar. Anstelle des Labels „Tierwohl“ kann zum Beispiel auch „Nachhaltigkeit“ treten. Eine Schnittstelle zu aktuellen und noch zu entwickelnden Programmen kann eingerichtet werden. Der Datenfluss und das Datenmanagement bleiben damit auch künftig gesichert. Und auch für modernes Arbeiten über unterschiedliche Endgeräte ist die Plattform designt, wofür parallel zur Website-Version auch eine App – zum Beispiel für die Smartphone-Nutzung – entwickelt worden ist.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Das zweijährige Projekt ist durch die Beteiligung aller Partner der Operationellen Gruppe – insbesondere aber durch die landwirtschaftlichen Betriebe – erfolgreich abgeschlossen worden. Für detaillierte Informationen und weiterführende Aspekte rund um die webbasierte Cloudplattform finden Sie hier entsprechende Links:

WEITERE PROJEKTE:  TriangleNET.NRW  |  VR/AR-Tools  |  digiTiGeMaPlattformgenossenschaft